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Über das Land und das Künstlerdorf
Zimbabwe liegt nördlich von Südafrika,
südlich von Sambia und grenzt an seiner Westseite an
Angola und Botswana. Vom Osten aus führt eine Straße
über eine direkte Grenzverbindung in wenigen Stunden
an die langen Sandstrände von Mosambik. Es ist ein Land
der Superlativen, mit einer grandiosen Tierwelt inmitten unberührter
Natur.
Das ehemalige Rhodesien, annähernd so groß wie
Deutschland, beheimatet neben den noch ansässigen einheimischen
Weißen, drei verschiedene Volksgruppen. Die größte
bilden die Shona, gefolgt von den Matabele und den Tonga,
einer winzigen matriachalen Stammesgesellschaft, die am Kariba
- Staudamm lebt. Bis noch vor wenigen Jahren galt Zimbabwe
als die „ Schweiz Afrikas“. Die Bevölkerung
des Landes wurde allgemein von weißen Besuchern als
außerordentlich freundlich, humorvoll und zuvorkommend
eingestuft.
Auf die Schulausbildung der Kinder wurde großen Wert
gelegt. Die Universitäten des Landes bildeten schwarze
und weiße Studenten gleichermaßen aus.
In der Hauptstadt Harare schossen europäisch anmutende
Hochhäuser aus der roten Erde und ausländische Investoren
waren gerne gesehen. Die Infrastruktur des Landes war gut
und somit waren auch dem Tourismus schnell alle Wege ins Land
geöffnet.
Anders als beispielsweise in den bekannten Safariparks in
Kenia, war es hier noch lange Jahre möglich die überreiche
Tier- und Pflanzenwelt dieses wunderschönen Landes -
ganz außerhalb des Massentourismus - hautnah zu erleben.
In den Nationalparks fand der aus den reichen westlichen Länder
stammende Naturliebhaber alles, was sein Herz begehrt.
Ohne auf Restaurant und Pool verzichten zu müssen, war
es von den gut ausgerüsteten und meist geschmackvoll
eingerichteten Camps ein unvergessliches Erlebnis mit ausgebildeten
Rangern auf Walkingsafari zu gehen oder vom Hausboot aus an
den Ufern des Kariba- Staudamms nach Löwen Ausschau zu
halten.
Die grandiosen Victoriafälle lockten viele tausend Besucher
ins Land und in eines der charmanten Hotels, erbaut im viktorianischen
Stil.
In dem kleinen Dörfchen der hier vertretenen Bildhauer
im hohen Norden nahe des Sambeziflusses, scheint die Zeit
bis heute stehen geblieben zu sein. Eine Strasse gibt es erst
seit wenigen Jahren und der kaum befahrene dünne Teerbelag
glänzt immer noch wie neu. Die vorsorglich angebachten
Mülleimer sind unbenutzt. Was sollen die Menschen hier
wegwerfen? Plastik hat hier seinen Siegeszug noch nicht angetreten.
Alles, was seinen Weg hierher findet, wird in anderer Form
wieder verwertet.
Es gibt einige gut versorgte Trinkwasserbrunnen und damit
auch wenige Krankheiten, die das brackige Staudammwasser hervorrufen
würde. Die Hütten werden, wie in alten Zeiten, aus
Lehm und mit Strohdeckung gebaut. Wenige der Künstler
wollen aus Gründen der Arbeitsersparnis ein Blechdach
auf ihrem Haus.
Es gibt, wenn überhaupt, nur mit Hilfe von Generatoren
Strom. Die Nächte sind still, die Tage friedlich.
In manchen Nächten tanzen die Menschen wie in alten
Zeiten zu den Trommeln und auch die Bedeutung des Medizinmannes
ist ungebrochen, solange das nächste Krankenhaus in unerreichbarer
Ferne ist.
Den Männern des Dorfes ist es – dank der Skulpturen
– möglich, Geld über den üblichen Lebensstandart
hinaus zu verdienen ohne ihre Familien verlassen zu müssen.
Andernorts hat sich AIDS stark verbreitet, was sicher damit
zusammenhängt, dass die Männer über Wochen
und Monate in die Städte zu ihren Arbeitsplätzen
reisen.
Nachdem Zimbabwe in den achtziger Jahren die Unabhängigkeit
von England in einem blutigen Bürgerkrieg erkämpfte,
gelang es dem bunten Gemisch aus weißen und schwarzen
Volksgruppen ein alles in allem friedliches Miteinander zu
leben.
Dies änderte sich mit Beginn des neuen Jahrtausend gravierend.
Mit der Ausweisung der weißen Farmer aus Zimbabwe begann
das Land einen rasanten Niedergang zu verzeichnen. Innerhalb
der schwarzen Bevölkerungsgruppen bildeten sich politische
Gegenbewegungen zu dem noch regierenden Präsidenten Robert
Mugabe und seiner Partei. Berichten Einheimischer zufolge,
versucht dieser bis heute mit totalitären Methoden und
Gewalt, diese zu unterbinden.
Die Grundnahrungsmittel, Diesel und der Exportschlager Tabak
sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Erst kürzlich berichteten
die Medien von einer Massenflucht zimbabwischer Bürger
über die grüne Grenze nach Südafrika.
Die Folgen sind noch nicht abzusehen. |